Körperpsychotherapie/ Bioenergetik
Körperpsychotherapie ist eine ganzheitlich – integrative Therapieform. Es geht darum, den Menschen in seinen verschiedenen Lebensdimensionen zu erfassen – psychisch-geistig, körperlich, sozial und spirituell-sinnstiftend.
Die Bioenergetik ist eine Form der Körperpsychotherapie.
Emotionen spiegeln sich in unserer Haltung, unserem Körperbild, unserem Bewegungsmuster und unserem Atem wider. Körperliche Aktivität wirkt sich auf unser Denken und Fühlen aus, sowie auf unser Körperbild und unseren Atem.
Dass unser Erleben auch immer körperlich ist, zeigt unter anderem in der Sprache: wir können es nicht mehr er-tragen, es geht uns etwas an die Nieren, wir müssen eine Situation durch-stehen, beißen dafür die Zähne zusammen, es sitzt uns etwas im Nacken oder steigt zu Kopf.
Körperpsychotherapie basiert auf der Annahme, dass sich hinter körperlichen Phänomenen in den Körper verdrängte Konflikte verbergen.
So kann es helfen, die Zähne zusammen beißen, den Bauch anzuspannen und die Beine durchzudrücken oder fest zu machen, um durchzuhalten und schwierige Empfindungen zu verdrängen. Über lange Zeit kann dies sehr anstrengend sein und sich auch verdeckt äußern in destruktiven Verhaltensweisen, in Depressionen, innerer Leere oder Unruhe, in Süchten, körperlichen Symptomen, Beziehungsproblemen u.v.m.
„Die einstige Schutzburg des Kindes wird zum Gefängnis des Erwachsenen.“ (Alexander Lowen)
Gefühle können eine große Kraft entwickeln und auch viel Kraft binden. Im therapeutischen Setting geht es darum, auch „negative, schwierige, starke“ Gefühle zulassen zu lernen, sie auszudrücken, sie auch zu halten und dosieren zu lernen, um sie ins Leben zu integrieren.
Über die Annahme und das Verstehen dieser Emotionen ist es möglich, mehr Empathie für sich selbst zu entwickeln – auch für all das, was nicht so perfekt ist an einem selbst oder im Leben, für die eigenen Schwächen, Unsicherheiten und auch die einschränkenden Verhaltensweisen. Das kann auch bedeuten, Illusionen loszulassen, auf dem Boden der eigenen Realität anzukommen und dadurch ein Bewusstsein für sich selbst von innen heraus zu entwickeln.
Wenn wir uns mehr annehmen können, wie wir sind, weitet sich unser innerer Raum, unsere Perspektive, unser Handlungsspielraum und unser Blick auf die Welt und andere Menschen.
„In Kontakt sein heißt nicht perfekt, sondern lebendig zu sein.“ (A.Lowen)
Der Körper als Spiegel der Seele
In der Sichtweise der Körperpsychotherapie liegt der Ursprung für unsere körperlichen und seelischen Strukturen und Verhaltensweisen in unserer frühen Kindheit. Unsere ersten Erfahrungen als Kind werden als prägend angesehen für unser späteres körperliches und seelisches Erleben: dafür, wie wir im Leben stehen und mit den Anforderungen des Lebens umgehen, wie wir uns selbst und Andere sehen, unsere Beziehungen gestalten.
Hintergrund
Ein Kind ist vor allem in den ersten Jahren komplett abhängig von seiner Umgebung und seinen Bezugspersonen und lernt früh sich anzupassen. Gefühle und Bedürfnisse, die nicht sein dürfen, können in dieser Zeit nur verdrängt werden. Das Kind spannt die Muskeln an und hält den Atem zurück, um Wut, Zorn, Angst, Trauer, Verzweiflung, aber auch Lebendigkeit zurückzuhalten. Wenn dies über längere Zeit passiert, werden die Muskelanspannungen chronisch und die Gefühle nicht mehr wahrgenommen, also unbewusst. Dies kann dazu führen, dass man sich als Erwachsener kaum noch spürt, die eigenen Bedürfnisse und Gefühle gar nicht kennt. Manchmal können auch nur bestimmte Gefühle zugelassen werden, andere nicht (Wut statt Trauer oder Trauer statt Wut). Ein Kind ist sehr sensibel und spürt genau, was Eltern überfordert und tut alles, um die Eltern und das Familiensystem zu schützen. Eltern wiederum geben oft ihr Bestes, sind aber auch oft eingeschränkt in ihrer Resonanzfähigkeit, sei es durch eigene Belastungen in ihrer Geschichte und/oder schwierige Lebenssituationen. Die Verdrängung ist für das Kind erstmal eine gute Lösung und in dieser Zeit lebensnotwendig. Sie geht aber auf Kosten der Lebensenergie, wenn das Kind sich selbst von seinen Bedürfnissen und Gefühlen abschneidet, um die Beziehung zu den Bezugspersonen zu halten. Damit verliert es den Bezug zu sich selbst. Als Erwachsene sind wir jedoch in der Lage, diese Gefühle, die in der Kindheit zu bedrohlich waren, zu fühlen. Die Therapie bietet einen Rahmen, sie Schritt für Schritt zuzulassen und zu integrieren. Manchmal braucht das Zeit. Auf längere Sicht, ist es jedoch lohnenswert, diese eigenen inneren Kinder/ Gefühle wiederzufinden und sich ihrer anzunehmen. Dann bestimmen sie nicht mehr unbewusst unser Leben. Wir erreichen mehr Handlungsspielräume, um mit heutigen aktuellen Themen anders umzugehen, z.B. unsere Grenzen besser zu wahren oder neue Herausforderungen zu wagen.
